Sinfonietta, gewidmet „den Turiner Toten“

Grabmal Guiseppe Pongilione auf dem Cimitero monumentale di Torino von 1886
Grabmal Guiseppe Pongilione auf dem Cimitero monumentale di Torino von 1886 (Quelle: Wikimedia, CC BY-SA 4.0)

In letzter Zeit habe ich wieder viele Stunden in staubigen Archiven verbracht, woraus am Ende, um der Melancholie Herr zu werden,  die Sinfonietta entstand, gewidmet „den Turiner Toten“. In deren Daten zu recherchieren, meist begrenzt auf die nackten Meldungen Nati Morti Matrimoni – glich einem Blättern im Buch des Lebens.

So heißen denn auch die ersten drei Sätze der kleinen Sinfonie. Der letzte dann heißt „Corinna“,  ist jener unbekannten Geliebten Puccinis während der Jahre 1900 bis 1903 gewidmet.

Seit diesem Herbst glaube ich, dass es eine Art Schattenreich gibt, nicht eines der Toten, die sind tot für immer, sondern eines der Lebenden, ein sonderbarer Bereich sonst nicht verfügbarer Informationen. Teile der Sinfonietta versuchen dieses Schattenreich abgedämpfter Farben zu beschreiben, in das man nicht nur im Traum gelangen kann.

So sprach mich zum Beispiel ein bestimmtes Grabdenkmal auf dem Turiner Cimitero Monumentale bei jedem Besuch immer stärker an, über ein Jahrzehnt lang, und ich dachte, der, der da begraben liegt, (er war mir völlig unbekannt), muß etwas wissen über Corinna.

Jetzt stellte sich heraus, der Sohn dessen, der da lag, war im hohen Alter Corinnas bester Freund. Es läßt sich natürlich immer als Zufall abtun, selbst bei Hunderttausenden Toten vor Ort, und vielleicht ist es das auch. Die Musik, die ich dazu empfand, sollte eben nicht „creepy“ sein, oder gruftartig, sondern würdevoll, majestätisch, freundlich, beinahe heiter und dankbar.